Mooshummeln brauchen Aufmerksamkeit – Erkenntnisse zum Schutz seltener Hummelarten

Mooshummel (Foto: Katrin Kunkel)

(nabu – 25.3.25) Rund fünfeinhalb Jahre hat das von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung geförderte NABU-Projekt „Bestandsschutz seltener Hummelarten in Niedersachsen“ den Hummelschutz in Niedersachsen weiter vorangebracht. Das Projekt baute auf dem NABU-Projekt „Hummelschutz in Niedersachsen“ (2013-2016) auf. Viele der damals angestoßenen Maßnahmen konnten fortgeführt und intensiviert werden.

„Im Mittelpunkt des Projekts stand die Wiederansiedlung der seltenen Mooshummel“, berichtet NABU-Projektleiterin Nicole Feige. „Diese ehemals auch im Binnenland verbreitete Hummelart ist heute fast nur noch in küstennahen Regionen zu finden. Unser Plan war es, diese Art wieder im Binnenland anzusiedeln.“ Rolf Witt, freiberuflicher Biologe und Wildbienenexperte, der den wissenschaftlichen Teil des Projektes geleitet hat, erläutert dazu: „Das Vorhaben erwies sich jedoch als nicht ganz leicht. Zwar kennen wir Flächen mit Vorkommen der Mooshummel, es ist uns aber nicht gelungen, die Nester ausfindig zu machen, die wir in die neuen Lebensräume umsiedeln wollten.“ Im Laufe des Projektes ergab sich eine erfolgreiche Kooperation mit dem Institut für Bienenschutz im Julius Kühn-Institut in Braunschweig (JKI).

„Zusammen haben wir verschiedene Methoden ausprobiert, um die Hummeln zu ihren Nestern zu verfolgen. Sehr vielversprechend schien der Einsatz von Telemetrie, doch leider stellte sich heraus, dass die kleinsten aktuell auf dem Markt befindlichen Sender für die Mooshummeln noch zu schwer sind. Trotz allem konnten wir sehr viele neue wertvolle Erkenntnisse gewinnen und werden in den nächsten Jahren weiter an einer Umsetzung dieses Vorhabens forschen.“ Letztendlich gelang es Rolf Witt jedoch, Mooshummelköniginnen in eine durch die Region Hannover für Hummeln optimierte Fläche im Naturschutzgebiet „Totes Moor“ am Steinhuder Meer auszusetzen. „In den nächsten Jahren wird sich zeigen, ob die Königinnen dort eine neue Population aufbauen konnten.“

Ein weiterer Schwerpunkt war die Erfassung insbesondere der seltenen Hummelarten in Niedersachsen. Damit konnten Wissenslücken zu ihrer Verbreitung geschlossen werden. Die wichtigsten Refugien stellten großflächige, extensive Grünländer und Wiesen mit einem reichen Blütenangebot hummelfreundlicher Pflanzen wie Rotklee mit unbeweideten Randstrukturen und große Moorheiden mit üppigen Glockenheidebeständen dar.

Voraussetzungen für eine Besiedlung dieser Lebensräume sind ein ausreichendes, kontinuierliches Blütenangebot bis in den Herbst und Nistmöglichkeiten vor allem in einer mehrjährig entwickelten, verfilzten Krautschicht. „In vielen auf den ersten Blick blütenreichen, für Hummeln geeignet erscheinenden Lebensräumen konnte jedoch keine einzige der seltenen Hummelarten nachgewiesen werden. Das Projekt hat daher sehr deutlich gemacht: Hummeln und deren Lebensräume brauchen mehr denn je unsere Aufmerksamkeit,“ so Holger Buschmann, Landesvorsitzender des NABU Niedersachsen.

Regionen, in denen noch bedeutende Bestände von seltenen Hummelarten vorkommen, sind unter anderen die Unterweser nördlich von Brake, Butjadingen und die Wurster Nordseeküste sowie das Bremer Umland, extensives Grünland in Küstennähe Ostfrieslands, die Elbtalaue, die Bergwiesen im Hochharz und das Harzvorland inklusive Harzsüdrand und der Göttinger Raum sowie naturnahe Moorheiden im Raum Diepholz, Ostfriesland, Emsland und nördlich von Hannover sowie der Salzgitter Höhenzug.

Die Erfassung erfolgte hauptamtlich, zu einem großen Teil aber auch ehrenamtlich. „Ohne die wertvolle Unterstützung vieler Freiwilliger wäre es uns nicht möglich gewesen, in einem so großen Flächenland wie Niedersachsen einen Überblick über die Verbreitung der Hummeln zu bekommen“, berichtet Feige. „Um die Ehrenamtlichen zu qualifizieren, haben wir in allen Regionen Niedersachsens insgesamt acht kostenlose Bestimmungsseminare angeboten und Bestimmungsliteratur zur Verfügung gestellt. Auf Netzwerktreffen und Exkursionsworkshops hatten die Ehrenamtlichen Gelegenheit, sich untereinander auszutauschen und zu vernetzen.“ An die vierhundert Hummelinteressierte haben das Projekt während der letzten Jahre begleitet.

„So haben wir fünfzehn neue Hummelschutzflächen angelegt“, berichtet Projektleiterin Nicole Feige. „Das gelang nur durch die gute Kooperation mit den Flächenbewirtschaftenden und deren Bereitschaft, sich freiwillig für eine hummelfreundliche Bewirtschaftung einzusetzen. Entscheidend dabei war eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Maßnahmen, wie Informationsaustausch und Anpassungen im Pflegemanagement, konnten deutliche Verbesserungen für Hummeln bewirken. Beispiele sind die Auszäunung von sensiblen Bereichen und Neststandorten, um sie vor Viehtritt zu schützen, oder eine zeitlich gestaffelte Mahd während der Blütezeit.“ Über die Projektfördermittel wurde dazu eigens zusammengestelltes kostenloses Saatgut zur Verfügung gestellt.

Im November vergangenen Jahres fand im Bremer Übersee-Museum die zweitägige Abschluss-Fachtagung statt, zu der auch führende internationale Hummelforscher als Referenten geladen waren.

Der NABU Niedersachsen dankt allen, die sich an dem Projekt beteiligt haben, sei es durch ehrenamtliche Hummelerfassung oder die Bereitstellung von Hummelschutzflächen, sowie den beteiligten Unteren Naturschutzbehörden und dem JKI für die Kooperation bei der Nestsuche und der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung für die Förderung des Projektes.

Kurz-URL: https://www.bueckeburg-lokal.de/?p=84524

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