„T“ – wie Trinkwasseraufbereitung
Fortsetzung unserer Serie über das THW-ABC

Bückeburg (mm-20.01.22). Im Westen der Stadt Bückeburg, an der Petzer Straße gelegen, befindet sich ein eingezäuntes Gelände. „Was ist das hier? Was passiert dort?“ Drei große Buchstaben sind hier zu finden, die blau-weiß eingerahmt sind. Seit 1982 befindet sich das Technische Hilfswerk (THW) an diesem Standort. Bückeburg-Lokal setzt die Serie über das THW-ABC fort.

„‬T‭“‬-‭ ‬wie Trinkwasseraufbereitung

Es ist auf der Erde das wahrscheinlich wichtigste Element und Lebensmittel. Im Jahr‭ ‬2019‭ ‬lag der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland bei rund‭ ‬125‭ ‬Litern. Ob zum Kochen,‭ ‬im Kaffee oder einfach pur,‭ ‬zum Wäsche waschen oder für die Körperpflege,‭ ‬aber auch die Natur braucht es unbedingt‭ ‬– Wasser!

Wie wichtig und wertvoll Wasser ist,‭ ‬merken wir meist allerdings erst,‭ ‬wenn es nicht‭ ‬mehr‭ ‬zur Verfügung steht.‭ ‬Durch Naturkatastrophen zerstörte Infrastruktur‭ ‬oder‭ ‬ einfach ausgefallene oder kontaminierte Trinkwasserbrunnen können zu einem vorübergehenden‭ ‬Wegfall der Trinkwasserversorgung führen.

Hier hält das Technische Hilfswerk‭ (‬THW‭) ‬mit den Experten der Fachgruppen Trinkwasserversorgung‭ (‬FGr.‭ ‬TW‭)‬ eine Komponente bereit,‭ ‬die Trinkwasser schnell und in bester Qualität mit ihren Aufbereitungsanlagen bereitstellen können.

Die Spezialisten können mit ihren mobilen Trinkwasseraufbereitungsanlagen‭ (‬TWAA‭) ‬bis zu‭ ‬15000‭ ‬Liter Wasser pro Stunde herstellen.‭ ‬Dabei wird mit Hilfe der Ultrafiltration das Wasser nach strengen Vorgaben der deutschen Trinkwasserverordnung aufbereitet und geprüft.‭

Über die Aufbereitung von Trinkwasser hinaus erkundet die Fachgruppe TW‭ ‬übrigens auch‭ ‬Schadengebiete,‭ ‬stellt Schäden fest und führt unaufschiebbare Instandsetzungsarbeiten an den Wasserversorgungs-anlagen‭ ‬(in Absprache und Weisung der örtlichen Wasserversorgungsunternehmen‭)‬ durch. Außerdem rehabilitiert sie Wasserförderstrecken und Brunnen und wirkt beim Betrieb von Notbrunnen mit. Das Lagern,‭ ‬Transportieren und Verteilen des Wassers zählt ebenfalls zu den Aufgaben der Gruppe.

Zu den weiteren,‭ ‬wesentlichen‭ ‬Tätigkeiten gehört eine ständige Prüfung der Wasserqualität und die Erstellung von Trinkwasseranalysen. Diese Aufgaben werden durch Helfer,‭ ‬die eine Qualifikation zum Wasserlaboranten erlangt haben,‭ ‬durchgeführt.‭ ‬Die eigentliche Qualifikation kann im THW Ausbildungszentrum erworben werden,‭ ‬ein berufliches Vorwissen ist aber unbedingt erforderlich.

Weitere Spezialkenntnisse werden bei der Instandsetzung der Versorgungsleitungen,‭ ‬insbesondere bei der Verschweißung von PE-‭ ‬/‭ ‬PVC Materialen,‭ ‬oder im Bereich Brennschneiden von den entsprechend ausgebildeten THW-Helfern angewandt.

Auch die Bedienung der Trinkwasseraufbereitungsanlage erfordert besondere‭ ‬Fähigkeiten.‭ ‬Die Führung und Ausbildung der Helfer obliegt dem Gruppenführer.

Diese Qualifikationen können an den Ausbildungszentren erworben werden. Auf lokaler Ebene können die Helfer zusätzlich einen Führerschein der Klasse C‭ ‬/‭ ‬CE und einen Sanitätshelferschein machen.

Der umfangreichen Ausbildung einerseits,‭ ‬steht umfangreiches Gerät auf der anderen Seite gegenüber. Herzstück‭ ‬der bundesweit‭ ‬13‭ ‬Fachgruppen‭ ‬ist hier die Trinkwasseraufbereitungsanlage‭ (‬TWAA UF-15‭)‬ mit einer Leistung von bis zu‭ ‬15000‭ ‬Litern fertigem Trinkwasser pro Stunde.‭ ‬Ausgehend von einem Verbrauch von‭ ‬15‭ ‬Litern pro Person,‭ ‬kann die Anlage täglich bis zu‭ ‬20000‭ ‬Menschen mit Trinkwasser versorgen.‭ ‬Bei Bedarf sind mehrere Anlagen einsetzbar, um die Gesamtleistung zu erhöhen.

Diese umfangreische Ausstattung ist so verpackt,‭ ‬dass sie jederzeit per Lkw und Anhänger zum Einsatzort transportiert werden kann.‭ ‬Jeder Ortsverband mit einer Fachgruppe Trinkwasserversorgung kann seine Anlage‭ ‬auch‭ ‬für einen Einsatz im Ausland zur Verfügung stellen.

Im Auftrag der Bundesregierung kann die Schnell-Einsatz-Einheit Wasser Ausland‭ (‬SEEWA‭) ‬dann an jedem Ort der Welt Trinkwasser aufbereiten.‭ ‬ Die Abmessungen,‭ ‬sowie das Konzept aus Verpackung und Verlastung sind auf die Standardcontainer LD‭ ‬3,‭ ‬ein System für den Frachttransport im Luftverkehr,‭ ‬angepasst.

Einsatzbeispiele hier sind etwa die Tsunamikatastrophe‭ ‬2004‭ ‬in Sri Lanka,‭ ‬die Überschwemmungen‭ ‬2007‭ ‬in Afrika oder das Erdbeben auf Haiti‭ ‬2010. Aber auch in jüngerer Vergangenheit waren die Experten der SEEWA,‭ ‬die sich überwiegend aus Helfern aus den Ortsverbänden zusammen setzen, nach Erdbeben,‭ ‬Überschwemmungen oder im Rahmen humanitärer Einsätze unterwegs.

Nach den Starkregenereignissen im Ahrtal leistete das Technische Hilfswerk bereits in den ersten Tagen wichtige Hilfe und bereitete weit mehr als‭ ‬5.000.000‭ ‬Liter Trinkwasser auf und verteilte sie in der Bevölkerung. Das THW unterstützte die regionalen Wasserversorger bei der Instandsetzung diverser Versorgungsanlagen und Leitungen.

Bundesweit sind‭ ‬13‭ ‬Fachgruppen Trinkwasserversorgung aufgestellt.‭ ‬In Bückeburg befindet sich so eine Fachgruppe nicht.‭ ‬Die drei nächstgelegenen Ortsverbände mit einer Trinkwasseraufbereitung sind OV Lemgo,‭ ‬OV Wolfenbüttel,‭ ‬OV Göttingen. Foto: THW

Kurz-URL: https://www.bueckeburg-lokal.de/?p=63910

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